Die Frage WARUM ?

Der Begriff WARUM ist zunächst einmal ein ganz „normales“ Fragewort. Es fragt nach dem Grund und nach der Ursache einer Tatsache oder Situation. Die Warum-Frage hat also etwas mit Ursachenforschung zu tun und liefert eine Antwort im Sinne von „der Grund ist . . .“.

Die bewusste Anwendung dieser Frage setzt ein persönliches Interesse an einer Ursache, nach einem „Grund für“ voraus. WARUM folgt also in diesem Zusammenhang dem Prinzip von Ursache und Wirkung.

Die Frage WARUM versucht uns eine Antwort auf etwas zu geben, das uns beschäftigt. Wesentlich ist, dass ein Akteur mit einer Frage, sei sie mündlich oder schriftlich gestellt, eine Antwort herausfordert mit dem Ziel der Beseitigung einer Wissens- oder Verständnislücke. Eine Antwort auf die Frage WARUM füllt somit eine vorhandene Leerstelle aus, die in der Frage enthalten war. Frage und Antwort sind direkt miteinander verknüpft und bedingen einander im Sinne von Problem und Lösung.

„Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?“ (Georg Bernhard Shaw)

Die Frage nach dem WARUM ist eine der ältesten Fragen der Menschheit beim Versuch Phänomene, Prozesse, Dinge oder das Verhalten von Personen zu erklären. Sie ist einer der zentralen Gründe für mein Studium der Theologie und Philosophie und letztlich für mein Arbeiten als Coach. Schon in der Antike hat Platon, der mich mit seiner so genannten Ideen- und Seelenlehre tief beeinflusst hat, das Verhältnis von Ding (Erscheinung) und Erkenntnis (Wahrheit) untersucht. Er unterscheidet zwischen sinnlich Wahrnehmbarem und sinnlich nicht Wahrnehmbarem. Für ihn ist Erkenntnis ein Wiedererinnern an Ideen, welche die Seele vor ihrem Eintritt in den Körper an einem „überhimmlischen“ Ort geschaut hat. Erkenntnis und Wissen verweisen daher auf ein hinter der wahrnehmbaren Realität liegendes Reich der Ideen. Was der Mensch durch die Einkörperung vergessen hat (Leib-Seele-Problem), kann er mit Hilfe von Sinneswahrnehmungen und Gesprächen und durch die Anleitung eines Lehrers wiedererlangen. Die Sinneswahrnehmungen beziehen sich auf reale materielle Körper und vermitteln der Seele die Wiedererinnerung entsprechender (göttlicher) Ideen. Die Ideen sind für ihn auf Grund ihres göttlichen Charakters das Wesentliche, das Primäre.

Was ist Wirklichkeit? Was verbirgt sich hinter dem, was ich sehe und wahrnehme? Was ist der Grund für . . . WARUM? Was ist wirkliche Realität und was Fiktion?

Toyoda Sakichi, japanischer Erfinder und Vater des Gründers des Toyota Konzerns, entwickelte die sogenannte 5-Why-Methode. 5-Why hilft Probleme zu lösen, indem ein sichtbares Symptom in fünf Ebenen nach dahinter verborgenen Ursachen durchleuchtet wird. Die Methode beruht auf der Erkenntnis, dass bei einem voreiligen Lösungsversuch die Gefahr besteht, nicht das eigentliche Problem, sondern nur ein einzelnes Symptom zu behandeln. Scheinlösungen sollen ausgeschlossen werden. Es geht darum, die eigentliche Ursache des Problems zu beseitigen und ein Wiederauftreten des Fehlers in der Zukunft zu verhindern.

Spannend wird es, wenn wir erkennen, dass das WARUM die meisten „Orientierungslosigkeiten“ im Leben beseitigen kann. Es liefert Antworten für Lebensentwürfe und Ziele, Scheitern und Karriere. Ein Warum führt uns zum Verstehen und zum Begreifen von Zusammenhängen. Nur wer die Ursache erkennt, kann richtig und zielgerichtet im Sinne von Problem-Lösung handeln. Somit ist Die Frage WARUM ein zentrales Element im Coaching, mit Zielen wie Selbstreflexion, Erkenntnisgewinn und zielgerichtete Weiter-Entwicklung.

Sie können das Ganze auch als Spiel mit ernstem Hintergrund betrachten. Das Spiel heißt: „Das Motiv hinter dem Motiv“.

Fragen Sie WARUM? Fast niemand gibt sofort alles von sich preis. Da wir in der Regel höflich sind und gelernt haben, auf Fragen auch zu antworten, geben wir Antworten – meist passende. Diese Antworten haben aber nur am Rande mit den wirklichen Motiven zu tun. Sie folgen dem Prinzip „Tarnen und Täuschen“. Geben Sie sich also niemals mit der ersten Antwort Ihres Gegenübers zufrieden. Fragen Sie nach. „Was heißt das für Sie?“ „Verstehe ich richtig, dass . . .?“ So kommen Sie der Sache auf den Grund und erkennen das Motiv hinter dem Motiv. Meiner Erfahrung nach benötigen Sie mindestens drei WARUMs bis Sie auf den Kern der Sache stoßen, auf das wahre Motiv. Und erst dort können Sie ansetzen. Das Ziel ist herauszufinden, was das Gegenüber erwartet oder besser gesagt, was es wirklich will. Niemand legt von vorne herein alle seien Erwartungen, Wünsche und Träume offen.

Tipp: Bringen Sie Ihr Gegenüber dazu, über seine Ziele zu sprechen. Denn wer über seine Ziele spricht, spricht in Wirklichkeit über seine Defizite und Sie haben einen direkten Ansatz für gezieltes Hinterfragen und weitere WARUMs.

Was für den Umgang mit anderen gilt, gilt umso mehr für den Umgang mit sich selbst. Warum tue ich das, was ich tue? Warum habe ich diesen Weg eingeschlagen? Warum ärgere ich mich über? Warum mache ich nicht? Warum will ich dies oder das? Warum komme ich mit der oder dem zurecht und mit anderen nicht?

Als Coach begleite ich Menschen auf ihrem Weg zu einer klaren und werthaltigen Positionierung und bei der Festlegung von wirklichen Zielen. Gemeinsam analysieren wir Prozesse und erarbeiten Möglichkeiten und konkrete Umsetzungsschritte – ob für den stressfreien Umgang mit Anderen oder für ein zufriedenes Leben mit sich selbst. Im Fokus: Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein, Souveränität und Selbstverwirklichung.

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